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3/2001:

Wir danken Herr Dr. med. Schwinger, dass wir seine   Meldung an die Bundesbehörde (Kopie an die Landesbehörde) hier publizieren duerfen

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Rauch- bzw. Brandgas-Intoxikationen

16. Februar 2001

In der Nähe (ca. 500 m Luftlinie entfernt) wurde ein Teil eines 2 Hektar großen geschlagenen Baumbestandes verbrannt, die Flammen und die Verbrennungs-Gase waren deutlich sichtbar sichtbar, der Qualm stieg zeitweise wie ein kleiner "Rauchpilz" in die Höhe. Obwohl wir alle Fenster vorsorglich geschlossen hatten, drangen die Brand- und Rauchgase auch bei uns in die Praxisräume deutlich wahrnehmbar ein.

Mehrere Patientinnen und Patienten klagten unmittelbar über Schwindel, Kopfschmerz, Rückenschmerz, Benommenheit, starken Husten, Kratzen im Hals sowie Kehlkopfkrampf, Durchfall, Darmspasmen und Tachykardien u.a.m.

4 Patienten/innen, die zu dieser Zeit wegen einer gefährlichen Intoleranz hier (T78.4 / T58.- / G92.- der ICD-10 = Internationale Verschlüsselung der BRD / BMG und DIMDI) in der Praxis waren und in dieser Zeit von mir beobachtet wurden, haben extreme Reaktionen gezeigt. Ursächlich für ihre Erkrankungen an hochgradiger Chemikalien- und Medikamenten- Intoleranz waren bzw. sind (primär) stets akute, subakute und v.a. auch chronische Rauch- und Brandgas-Intoxikationen am Wohn- und Arbeitsort. Diese Erkenntnisse entsprechen unseren langjährigen Erfahrungen und sie sind begründet in klarer klinischer Medizin.

Ein akutes Inhalationstrauma, verursacht durch Abgase und Brand-rauche, führt in vielen Organen (Rachen, Lungen, Blutgefäßte, ZNS) zu spezifische Funktionsstörungen, insbesondere aufgrund schwerer Protein-Denaturierung (bis hin zu amyloiden Einlagerungen).

Rauchgase allein von Holz enthalten -neben tausenden von Pyrolyseprodukten- immer auch Acetaldehyd, Benzol, Biphenyl, PCDD (Dioxine), PCDF (Furane), Formaldehyd, Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Phenol, Kresol, Säuren, Methan, PAH, Styrol, Syring-aldehyde, Xylol, Toluol u.s.w. (s. beiliegende Info d. Bayerisches Landesamt für Umweltschutz).

Grenz- oder Schwellenwerte liegen bei »vulnerablen Gruppen« aufgrund ihrer Verletzungen und der dadurch verursachten Verletzbarkeit und aufgrund ihrer hochgradigen Reaktionsbereitschaft zwischen 1/10 bis 1/10 000 der bisher vermuteten Risiken von Schadstoffen. Das gilt besonders für Rauchgas-Partikel-effekte; vulnerable Gruppen bedürfen deshalb schon aus Gründen der Vorsorge und Rehabilitation eines ganz speziellen Schutzes.

Das Problem von bleibenden Auswirkungen auf das tägliches Leben ist deshalb als schwerwiegend zu beurteilen, weil die kombinierten und komplexen Wirkungen und Effekte dieser Abgase, Brandrauche und Feinpartikel (PM) bei den o.g. vulnerablen Gruppen auch Pseudo-allergien und Intoleranz auslösen gegenüber weiteren Schadstoffen (Lösungsmitteln, Duftstoffen, sämtlichen Bioziden) - mitsamt schwerer chronischer Krankheit und Behinderung, und zwar für viele Wochen, Monate und Jahre.

Rauchgas-Intoxikation, Pseudoallergie und Intoleranz kann -dies ist in der Schulmedizin unbestritten- zu einem anaphylaktoiden Schock, zu hypoxischen oder ischämischen Attacken und damit unter ungünstigen Umständen zu einem Multiorganversagen führen - wie bei einen immun-allergischen anaphylaktischen Schock der Typen I bis IV.

Es kommt bei den vulnerablen Gruppen durch die beschriebene Intoleranz, durch toxische Encephalopathie und Hypoxidose zu Beeinträchtigungen des Orientierungsvermögens, der körperlichen Unabhängigkeit, der Mobilität, der Beschäftigungsfähigkeit, der sozialen Integration und der wirtschaftlichen Eigenständigkeit. Die frühen Krankheitsbilder (eines späteren schweren Endzustandes wie z.B. Herzinfarkt, Hirnblutung usw.) in diesen Zusammenhängen sehen wir fast ausschließlich in der ambulanten Allgemeinmedizin. In der Frühdiagnose allein läge der Zugang für frühe Prävention, für frühe Möglichkeiten spezifischer Rehabilitation und u.U. für eine noch mögliche Therapie.

Die bei den betroffenen Patienten/innen vorliegende Hypoxie-Empfindlichkeit ist ein Krankheitsbild, welches sich schleichend unter der häufigen oder permanenten Einatmung solcher Kohlenmonoxid- (CO-)Konzentrationen ausbildet, welche zu gering sind, um akute Symptome in unmittelbarem Zusammenhang zu erzeugen bzw. die bei einmaliger Einatmung noch keine Folgen hervorrufen. Der Begriff einer chronischen Hypoxidose durch rezidivierende, ubiquitäre Expositionen von Kohlenmonoxyd ist als grundlegendes pathogenetisches Prinzip unabdingbar - für das Verständnis der vorliegenden Schädigungen von Kreislaufes, des endokrinen (hormonellen) und des autonomen Systems.

Verbrennungsprodukte haben (wie auch Passiv-Rauchen) bei den betroffenen Patienten/innen (der vulnerablen Gruppen) -aufgrund einer negativen Sauerstoff-Bilanz- eine außerordentliche komplizierte Wirkungsweise: Hypoxie verursacht hier v.a. in Lungen-, Herz- und Hirn-arteriolen chronisch rezidivierende funktionelle Vasokonstriktionen. Es kommt dabei durch Ischämie zu schweren kardiovaskulären, zerebrovaskulären und pulmonalen Dysfunktionen, teilweise auch zu permanenten anatomischen Schäden. Durch ein TILT-Syndrom kommt es schließlich auf Dauer zu intermittierenden toxischen Vasospasmen und zu einer toxisch-induzierter Hypersensibilitätsangiopathie spezifischer Art.

Pathologen finden bei akutem Verlauf dann petechiale Blutungen, Schwellungen der Kapillar-endothelien, bei der chronischen Form keine Endothelschwellung mehr, dafür aber z.B. cerebrale Spongiose (!) und/oder nekrotisierende (Hypersensibilitäts)Vaskulitis, Infarkte, spezifische Amyloid-angiopathie mit Gefäßwandfragilität - mit "Kugelblutungen" oder auch Massenblutung als Endzustand. Einer solchen spezifischen Vasospastik liegt u.a. eine passagere, toxisch-induzierte Kontraktion der glatten (autonomen) Gefäßmuskulatur zugrunde.

Vasospastische Organschädigungen gehören zu den "funktionellen Krankheitssyndromen".

Flüchtige Pyrolyse-(Verbrennungs)-produkte werden u.a. in Form von gefährlichen Fein- und Feinst-stäuben aufgenommen. Feinstäube aus der Pyrolyse sind -neben zahllosen Verbrennungsgasen- primäre Ursache für gefährliche Chemikalien-Intoleranz und chronisch toxische Encephalopathie. Je kleiner die Staubteilchen sind, desto kritischer ist die toxische Potenz. Bei Feinstaub handelt es sich um winzige Körnchen mit einem Durchmesser von einem hundertstel Millimeter und weniger. Experten sprechen von »PM« (Particulate matter). Staub in der Umgebungsluft besteht etwa zu 80% aus solchen kleinen Partikeln.

Insbesondere die beobachteten Herzkreislaufschäden, Hirnstammschädigungen, hormonellen und autonomen Funktionsstörungen aller Art, aber auch Autoimmunkrankheit und TILT-Syndrom sind die irreversiblen Folgen dieser unfreiwilligen Expositionen (Belastungen) durch hoch-toxische Feinstäube der Pyrolyse.

Hinzu kommen nun noch die seit einigen Jahren erkannten, z.T. schweren gesundheitlichen Funktionsstörungen, die schleichend aufgrund von intermittierenden katabolen (oder auch anabolen) Stoffwechselentgleisungen bei systemischer Eiweiß-Denaturierung (Protein-Folding-Defect-Problems/ -Diseases) entstehen, verursacht durch rezidivierende subklinische Rauchgas-Intoxikationen. Hierdurch werden wesentlich neue Erkenntnisse über Ätiologie und Pathogenese von Krankheit einen Paradigmenwechsel erzwingen.

Die betroffenen Patienten/innen mit erworbener chronischer hochgradiger Vulnerabilität (Verletzbarkeit) haben mit jeglicher Therapie erhebliche Probleme, sie sind medikamentös schwer bzw. kaum behandelbar.

Denn auch durch Medikamente werden neue Schübe der chronischen Krankheit ausgelöst, insbesondere aber immer wieder im Zusammenhang -primär mit ubiquitären Rauch- und Brandgasen (einschl. Zigaretten- und Zigarrenrauchen), -sekundär durch toxische Chemikalien wie Biozide, Lösemittel, Schwermetalle, aber auch durch Zucker, Histamin-haltige Nahrungsmittel, ätherische Öle, Terpene und andere exotische und obskure "Heilmittel" aller Art (vor allem aus der sog. Homöopathie u. Naturheilkunde), unsinnige und unverträgliche"Supplements" und "Nutrients" etc.

Sichere Nachweise sind in der Regel aufgrund der multi-faktoriellen Verursachungen und dem Nachhinken aller medizinischen Diagnostik hinter der heute möglichen chemischen Analytik - erst bei den Endzuständen (Blutungen, Infarkt, Amyloidosen, Gentoxizität etc.) zu stellen. Deutung und Einsicht gravierender Funktionsstörungen nach Expositionen im Niedrigdosisbereich sind derzeit nicht nur in der Schulmedizin, sondern ebenso in Biologie und Veterinärmedizin heftig diskutierte Probleme.

Dr.med.Gernot Schwinger, Facharzt für Allgemeinmedizin, HD / ESSLINGEN Württ. * EU

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Literatur:

Luft-Schadstoffe in Innenräumen: Ein Leitfaden, Dr.Peter Pluschke, SPRINGER Berlin-Heidelberg-Nex York 1996

arbeitsmedizin aktuell, Ein Loseblattwerk für die Praxis Herausg. Von W.Brenner, H.-J.Florian,  E.Stollenz, H.Valentin, G.Fischer 1988

Handbuch der Arbeitsmedizin. Konietzko-Dupuis , Thieme-Verlag 1997-99 , (»Kohlenmonoxid« von H.Zorn), Petri, H.:

Die chronische Kohlenoxidvergiftung , Arbeitsmed. Abhandl. über Berufskr. u. deren Verhütung.*), Heft 29, 1-131 (1953)

*)Hypoxie-Empfindlichkeit: "Ein Krankheitsbild, welches sich schleichend unter der häufigen und permanenten Einatmung solcher CO-Konzentrationen ausbildet, welche zu gering sind, um akute Symptome in unmittelbarem Zusammenhang zu erzeugen und die bei einmaliger Einatmung noch keine Folgen hervorrufen können."

Vom Verdacht zur Diagnose, ABC der unerwünschten Arzneiwirkungen, A.T.I. Arzneimittelinformation, Berlin 2000

Handbuch der unerwünschten Arzneimittelwirkungen, Hrsg.v.B.Müller-Oerlinghausen, Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Köln/Berlin, Urban & Fischer 1999/2000

Histamin-Intoleranz,  R.Jarisch u.a., Thieme 1999

Neurotoxicity Guidebook Raymond M. Singer (Van Nostrand Reinhold New York 1990 ), Neuauflage 2001

© Schwinger-Tschanz 2001.3 *Independent Swiss/German - Tox-Doc-Information 

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