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Vorwort Patienten mit multiplen und medizinisch unklaren Gesundheitsbeschwerden
sind im System der medizinischen Primärversorgung, aber auch in klinischen Einrichtungen
relativ häufig. Seit einigen Jahren bringen Patienten wie Ärzte derartige Beschwerden
und Erkrankungen zunehmend mit Fremdstoffexpositionen in einen ursächlichen Zusammenhang.
Bei einem Teil der betroffenen Personen haben sich im Laufe der Zeit nach subjektiver
Einschätzung mannigfache Intoleranzen gegenüber einer Vielzahl chemisch nicht verwandter
Fremdstoffe entwickelt, wobei bereits sehr geringe Expositionen, die von der
Allgemeinbevölkerung ohne erkennbare gesundheitliche Probleme toleriert werden, für die
gesundheitlichen
Beeinträchtigungen verantwortlich gemacht werden. Derartige Beschwerdebilder werden als
Multiple Chemische Sensitivität (MCS) oder allgemeiner als Idiopathische
Umweltintoleranzen (Idiopathic Environmental Intolerances, IEI) bezeichnet. Sie gehen
häufig mit einer beträchtlichen Einschränkung der Lebensqualität und einem hohen
Leidensdruck einher.
Allgemein anerkannte Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten existieren bislang nicht.
Inwieweit MCS tatsächlich durch Umweltschadstoffe verursacht oder ausgelöst wird, ist
umstritten. Umso mehr sind derartige ,,Umweltsyndrome" Gegenstand nicht nur
wissenschaftlicher, sondern auch öffentlicher und politischer Diskussionen. Die Zahl der
Patienten mit selbstvermuteter MCS ist in den letzten Jahren beträchtlich angewachsen. In
Medienberichten war von mehr als einer Million MCS-Kranken in Deutschland die Rede. Von
den Betroffenen und ihren Organisationen wurden weitreichende Forderungen nach
Prävention, Diagnostik und Behandlung (einschließlich Kostenübernahme) erhoben. Aus den
genannten Gründen waren und sind verstärkte Forschungsanstrengungen unausweichlich. Im
gegebenen Zusammenhang fand im Februar 1996 in Berlin mit Unterstützung des
Umweltbundesamtes und unter Beteiligung der Weltgesundheitsorganisation ein ,,Workshop on
Multiple Chemical Sensitivities (MCS)" statt (IPCS 1996). Die dort versammelten
Experten empfahlen die verstärkte Erforschung des MCS/IEI-Phänomens, wobei einerseits
Studien mit doppelt-blinden, placebo-kontrollierten Provokationstests und andererseits
klinisch- epidemiologische Studien als besonders erfolgversprechend angesehen wurden. Im
Nachgang zu dieser Tagung berief das Umweltbundesamt drei Arbeitsgruppen (Diagnose,
Pathogenese, Therapie) mit dem Auftrag ein, eine für deutsche Verhältnisse geeignete
Forschungsstrategie zu entwickeln. Im September 1998 wurde dann auf einer abschließenden
Sitzung aller Arbeitsgruppen dem Umweltbundesamt die Förderung eines überregionalen
multizentrischen MCS-Forschungsprojektes nahegelegt. Vor diesem Hintergrund kündigte das
Umwelt- bundesamt noch im gleichen Monat in einer begrenzten Ausschreibung die Absicht an,
kurzfristig ,,Untersuchungen zur Aufklärung der Ursachen des MCS-Syndroms (Multiple
Chemikalienüberempfindlichkeit) bzw. der IEI (idiopathische umweltbezogene
Unverträglichkeit) unter besonderer Berücksichtigung des Beitrages von
Umweltchemikalien" im Rahmen einer epidemiologischen Studie zu fördern. Nach Vergabe
des Projektes an das Robert Koch-Institut im Februar 1999 und der Auflage des
Auftraggebers, bundesweit sechs klinisch-umweltmedizinische Einrichtungen in den Verbund
einzubeziehen, wurden umweltmedizinische Ambulanzen in Aachen, Berlin, Bredstedt,
Freiburg, Giessen und München ausgewählt (fünf universitäre Einrichtungen und eine als
Umweltklinik bekannte Einrichtung). Der Forschungsverbund formierte sich im April 1999 bei
einem ersten Projekttreffen in Berlin. Nach methodischen Vorbereitungen konnte die
Erhebungsphase im Jahr 2000 durchgeführt werden. Es folgte die abschließende
Fallbearbeitung in den beteiligten umweltmedizinischen Zentren. Die anonymisierten
Erhebungsbögen wurden bis Mitte 2001 an das Studienzentrum nach Berlin geschickt. Dort
erfolgte die Datenerfassung und -aufbereitung sowie die anschließende statistische
Datenauswertung. Die Grundauswertung war im April 2002 abgeschlossen. Mit dem nun
vorliegenden Bericht werden neben einer Beschreibung der Studie (Methoden und
Datenmaterial, Kap. 2) die Ergebnisse der Grundauswertung präsentiert (Kap. 3) und im
Hinblick auf die eingangs gestellten Forschungsfragen erörtert (Kap. 3.6). Bei der
Erstellung des Abschlussberichtes haben wir uns bemüht, die Anliegen der Projektpartner
und Beiratsmitglieder so weit wie möglich zu berücksichtigen. Da nicht in jedem Punkt
Einverständnis erzielt werden konnte, zeichnet letztendlich die Studienleitung für den
erstellten Bericht verantwortlich. Über die Resultate der vertieften Datenanalysen wird
in ergänzenden wissenschaftlichen Publikationen berichtet. An der vorliegenden Studie
haben zahlreiche Personen und Institutionen mitgewirkt, denen an dieser Stelle ein ganz
besonderer Dank ausgesprochen werden soll. Neben den eigentlichen Kooperationspartnern (s.
Kap. 1.3) sind zunächst die Fachbegleiter des Umweltbundesamtes, Frau Dr. med. habil. J.
Dürkop und Herr Prof. Dr. med. W. Schimmelpfennig, zu nennen.
Gedankt sei auch Frau Dr. I. Paulini und Herrn Dr. med. N. Englert, die dem Projekt von
Seiten des Umweltbundesamtes ebenfalls in entscheidenden Phasen hilfreich zur Seite
standen.
Unser Dank gilt weiterhin dem Projektbeirat, der das Vorhaben von Anfang an fachlich
begleitete (s. Kap. 1.3). Das Studienzentrum ist darüber hinaus Herrn Prof. Dr. J. Bortz
(TU Berlin) für seine fachkundige Beratung in methodisch-statistischen Fragen zu
besonderem Dank verpflichtet. Großen Dank schulden wir auch Herrn Dr. J. Gladitz, der in
einer schwierigen Projektphase die Datenauswertung außerordentlich unterstützte.
Schließlich gilt der Dank auch den folgenden, stellvertretend genannten Mitarbeitern des
Robert Koch-Institutes: Frau Dir. u. Prof. Dr. B.-M. Kurth, Herr Prof. Dr. D. Naumann,
Herr Dir. u. Prof. Dr. W. Thefeld, Frau Dr. A. Dietel, Frau Dipl.-Math. U. Ellert, Frau G.
Flemming, Herr D. Krüger, Frau Dr. M. Kalcklösch, Frau A. Kaschitzki, Herr Dipl.-Biol.
D. Laußmann, Herr Dr. W. Thierfelder, Frau G. Winter und Frau Dr. U. Wolf. Weiterhin
bedanken wir uns bei Herrn Dr. S. Norley für die Durchsicht und Überarbeitung der
englischsprachigen Zusammenfassung. Da die Daten des Bundes- Gesundheitssurveys 1998 des
Robert Koch-Instituts an etlichen Stellen des MCS- Studienberichtes zum Vergleich
herangezogen wurden, möchten wir denjenigen, die den Survey durchgeführt und die Daten
zur Verfügung gestellt haben, herzlich danken, ebenso den externen Wissenschaftlern, die
uns Vergleichsdaten zur Verfügung stellten, wie Frau Dr. M. Faltermaier-Temizel und Herrn
PD Dr. M. Zaudig. Auch der Baseler Arbeitsgruppe um Herrn Prof. Dr. J. Küchenhoff sei
für die anregenden Diskussionen gedankt. Das Umweltbundesamt fördert im Rahmen des
Umweltforschungsplanes (UFOPLAN) des Bundesumweltministeriums bisher insgesamt drei
FuE-Vorhaben zu MCS. Neben der im vorliegenden Bericht dargestellten Basisstudie (Teil I
der multizentrischen MCS-Studie) läuft ein bis 31.05.2004 datiertes Folgevorhaben, mit
dem vor allem der Erkrankungsverlauf näher untersucht werden soll (Teil II der
multizentrischen MCS-Studie) sowie ein Ergänzungsprojekt zur ,,Suszeptibilität bei
MCS" mit einer Laufzeit bis 30.09.2003. Zu diesen Studien werden nach deren Ablauf
ebenfalls Forschungsberichte vorgelegt. Alle über den UFOPLAN geförderten MCS-Studien
bilden einen zusammengehörigen MCS-Forschungsschwerpunkt. Die einzelnen Studien widmen
sich unterschiedlichen Aspekten des Gesamtproblems.
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