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- Seite 15
- ZUSAMMENFASSUNG
- Vorbemerkungen
- Die Zahl der Patienten mit selbstvermuteter MCS (Abkürzung für "Multiple
Chemical Sensitivity")
- ist in den letzten Jahren beträchtlich angewachsen. Nach amerikanischen
Untersuchungen
- sollen bis zu 15% der Bevölkerung eine besondere chemische Sensitivität
aufweisen.
- Als Fallkriterien von MCS gelten:
- - Initiale Symptome im Zusammenhang mit einer belegbaren Expositionssituation
(jedoch ggf.
- auch einschleichender Beginn)
- - Die Symptome werden bei der gleichen Person durch unterschiedliche chemische
Stoffe bei
- sehr geringen Konzentrationen (auf die andere Personen im Allgemeinen nicht mit
- Gesundheitsbeschwerden reagieren) ausgelöst
- - Die Symptome stehen mit der Exposition in erkennbarem Zusammenhang (Symptome
- durch Exposition reproduzierbar; Besserung bei Expositionskarenz)
- - Die Symptome treten in mehr als einem Organsystem auf (nicht in allen
Falldefinitionen
- gefordert)
- - Es handelt sich um eine länger anhaltende ("chronische")
Gesundheitsstörung
- - Die Beschwerden sind nicht auf bekannte Krankheiten zurückzuführen.
- Die bisher in der Fachliteratur vorgeschlagenen Fallkriterien variieren in
verschiedenen
- Punkten. Sie sind theoretisch und empirisch nur unzureichend begründet und daher
von
- hypothetischem Charakter. Überdies lassen die Kriterien bei ihrer praktischen
Anwendung
- einen beträchtlichen Ermessensspielraum zu. In der multizentrischen MCS-Studie
wurden bei
- der abschließenden Einzelfallbewertung die Kriterien von Cullen zugrunde gelegt.
- Die MCS-Pathogenesemodelle, die in der Fachwelt diskutiert worden sind, stützen
sich
- beispielsweise auf die Annahme eines toxisch bedingten Toleranzverlustes, einer
neurogenen
- Entzündung, eines neuronalen Sensitivierungsprozesses oder eines komplexeren
- psychosomatischen Geschehens.
- Angesichts dieser Sachlage blieb unklar, ob das MCS-Phänomen von ähnlich
erscheinenden
- Gesundheitsstörungen abzugrenzen bzw. als eigenständiges Störungsbild
aufzufassen ist und
- inwieweit es durch Umweltschadstoffe verursacht/ausgelöst wird. Außerdem
bestand bei
- Verdachtsfällen ein dringender Bedarf nach adäquater Diagnostik, wirksamer
Therapie und
- effektiver Prävention.
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- Vor diesem Hintergrund fand im Februar 1996 in Berlin mit Unterstützung des
- Umweltbundesamtes und unter Beteiligung der Weltgesundheitsorganisation der
"Workshop on
- Multiple Chemical Sensitivities (MCS)" statt. Die dort versammelten Experten
empfahlen die
- verstärkte Erforschung des MCS/IEI-Phänomens, wobei einerseits Studien mit
doppelt-blinden
- placebo-kontrollierten Provokationstests und andererseits
klinisch-epidemiologische Studien als
- besonders erfolgversprechend angesehen wurden. Im Nachgang zu dieser Tagung
berief das
- Umweltbundesamt drei Arbeitsgruppen (Diagnose, Pathogenese, Therapie) mit dem
Auftrag
- ein, eine für deutsche Verhältnisse geeignete Forschungsstrategie zu
entwickeln. Im September
- 1998 wurde dann auf einer abschließenden Sitzung aller Arbeitsgruppen dem
- Umweltbundesamt die Förderung eines überregionalen multizentrischen
MCS-Forschungs-projektes
- nahegelegt. Vor diesem Hintergrund kündigte das Umweltbundesamt noch im
- gleichen Monat in einer begrenzten Ausschreibung die Absicht an, kurzfristig
"Untersuchungen
- zur Aufklärung der Ursachen des MCS-Syndroms (Multiple
Chemikalienüberempfindlichkeit)
- bzw. der IEI (idiopathische umweltbezogene Unverträglichkeit) unter besonderer
- Berücksichtigung des Beitrages von Umweltchemikalien" im Rahmen einer
epidemiologischen
- Studie zu fördern.
- Dieses Vorhaben wurde vom Robert Koch-Institut unter Beteiligung zahlreicher
Kooperations-partner
- in den Jahren 1999-2001 durchgeführt und anschließend der hier vorgelegte
- Abschlussbericht erarbeitet. Er besteht aus einem Berichts- und einem
Anlagenband. In dem
- Berichtsband werden die Methodik und Ergebnisse der multizentrischen MCS-Studie
vorgestellt
- und diskutiert. Die Darstellung ist der deskriptiven Datenauswertung respektive
der
- Grundauswertung vorbehalten. Weitere Publikationen mit den Ergebnissen der
vertieften
- multivariaten Datenauswertung sind in Vorbereitung. Im Anlagenband befinden sich
die in der
- Studie verwendeten Formulare, Erhebungsinstrumente und weitere Dokumente sowie
die
- ausführliche Darstellung des im Rahmen eines Unterauftrages an die Universität
Erlangen-Nürnberg
- vergebenen Teilvorhabens "Untersuchungen von Reaktionen der Nasenschleimhaut
- und des sensorischen Apparates nach niedrigdosierter chemischer Stimulation bei
Patienten
- mit MCS".
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- Studienziel und Fragestellungen
- Ziel des Projektes war zunächst die Konstitution eines funktionsfähigen
MCS-Forschungsverbundes
- unter Beteiligung von sechs umweltmedizinischen Ambulanzen mit
- mehrjähriger Erfahrung im Bereich der klinischen Umweltmedizin, die über eine
entsprechende
- klinische Einbindung mit den Möglichkeiten zur weiterführenden Diagnostik
verfügen. Zugleich
- wurde ein Beirat einberufen, der aus Vertretern verschiedener medizinischer
Disziplinen
- bestand und der das Vorhaben von Beginn an fachlich begleitete.
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- Das inhaltliche Hauptanliegen der Studie bestand in einer genaueren Beschreibung
und
- vertieften Analyse des Beschwerdenkomplexes der "Multiplen Chemischen
Sensitivität", wobei
- u.a. Erkenntnisse zu den Ursachen und zur Bahnung sowie zur Auslösung von MCS
gewonnen
- und die damit verbundenen Gesundheitsbeeinträchtigungen genauer erforscht werden
sollten.
- Es war zu klären, ob sich MCS als eigenständige, durch Umweltschadstoffe
hervorgerufene
- und/oder getriggerte Erkrankung abgrenzen lässt. Damit verbunden war die Frage,
wie sich
- MCS-Patienten von Personen mit anderen umweltbezogenen Gesundheitsstörungen
unter-scheiden
- und durch welche Merkmalsprofile die jeweiligen Gruppen charakterisiert sind.
Diese
- Fragestellung betraf sowohl Patienten mit MCS-Selbstattribution (sMCS) als auch
die im
- Rahmen der Studie ärztlich bestätigten MCS-Störungen (sog. MCS2). Letztlich
sollte geklärt
- werden, ob und in welcher Form das MCS-Beschwerdebild verifiziert werden kann,
welche
- Umweltnoxen dabei ggf. wirksam werden und wie häufig es unter
Umweltambulanzpatienten
- auftritt.
- Von Interesse war darüber hinaus, inwiefern sich Patienten umweltmedizinischer
Ambulanzen
- (und speziell MCS-Patienten) von anderen klinischen Vergleichsgruppen und
gegenüber alters-und
- geschlechtsentsprechenden Vergleichsgruppen der Allgemeinbevölkerung
unterscheiden.
- Im Rahmen von ergänzenden Publikationen sollen auch Nebenfragestellungen
überwiegend
- methodischer Art bearbeitet werden. Dies betrifft beispielsweise die Konsistenz
von Patienten-angaben
- (intra- und interinstrumentell), die Unterschiede von Patienten- und
Arzt-einschätzungen
- (etwa hinsichtlich des Schweregrades der Erkrankung), die unterschiedliche
- diagnostische Einschätzung auf Seiten der Ärzte (Beurteilerübereinstimmung
bezüglich MCS2)
- und die vertiefte Analyse von Zentrumseffekten.
- Das Vorhaben diente außerdem der Weiterentwicklung des
Erhebungsinstrumentariums, der
- Erarbeitung valider Fallkriterien und einer Optimierung der diagnostischen
Vorgehensweise.
- Therapeutische Fragestellungen wurden in diesem Projekt nicht bearbeitet.
- Im Rahmen eines Teilvorhabens mit dem Titel "Untersuchungen von Reaktionen
der
- Nasenschleimhaut und des sensorischen Apparates nach niedrigdosierter chemischer
- Stimulation bei Patienten mit MCS" wurden in Zusammenarbeit mit dem Institut
für
- Experimentelle und Klinische Pharmakologie der Friedrich-Alexander-Universität
Erlangen-Nürnberg
- unter Bezug auf die "Neurogene-Entzündungs-Hypothese" sowie die
"Zentrale-Informationsverarbeitungs-
- Hypothese" weitergehende olfaktometrische Untersuchungen
- durchgeführt. Ausgewählte Ergebnisse dieses Teilvorhabens sind in den
Berichtsband
- integriert, die ausführliche Darstellung ist im Sachbericht zum Erlanger
Teilvorhaben im
- Anlagenband zu finden. Die Untersuchungen zur neurogenen Entzündung werden zu
einem
- späteren Zeitpunkt abgeschlossen, da die Analyse der Entzündungsmediatoren noch
aussteht.
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- Methodik
- Das Forschungsvorhaben hatte über weite Strecken den Charakter einer
Pilotstudie, da ein
- Forschungsverbund etabliert und ein einheitliches abgestimmtes Vorgehen
entwickelt werden
- mussten, einschließlich des gemeinsamen Erhebungsinstrumentariums, des
fallbezogenen
- Untersuchungsablaufs und der Beurteilungskriterien. Außerdem war der
multizentrische
- klinisch-epidemiologische Ansatz in der gewählten Form zum Zeitpunkt des
Studienbeginns
- ohne Vorbild und es bestand bezüglich zahlreicher methodischer Fragen der
MCS-Forschung
- (einschließlich einer verlässlichen Fallcharakterisierung) noch ein
beträchtlicher Klärungsbedarf.
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- Studienkonzept und -ablauf
-
- An dem Vorhaben waren sechs umweltmedizinische Ambulanzen beteiligt, von denen
fünf an
- Universitätskliniken (Aachen, Berlin/Charité, Freiburg, Giessen, München/LMU)
und eine an
- dem als Umweltklinik bekannten Fachkrankenhaus Nordfriesland (Bredstedt)
angesiedelt
- waren. Das Studienzentrum befand sich am Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin.
Mit der
- Auswahl wurde etwa die Hälfte aller in Deutschland existierenden universitären
- Umweltambulanzen erfasst, womit ein ungewöhnlich hoher Auswahlsatz erreicht
werden
- konnte. Zusätzlich wurde mit der Bredstedter Einrichtung eine für
Umweltkliniken repräsentative
- Einrichtung berücksichtigt und so das Spektrum in diese Richtung erweitert.
- Im Rahmen des überregionalen Forschungsverbundes wurden im Jahr 1999 die
Erhebungs-und
- Dokumentationsinstrumente entwickelt (Umweltmedizinischer Fragebogen und
- Basisdokumentationsbogen) bzw. entsprechende Vorlagen adaptiert und
zusammengestellt
- (Gesundheitsfragebogen und CIDI), ein Kriterienkatalog zur Falldefinition
erarbeitet sowie das
- methodische Vorgehen der beteiligten umweltmedizinischen Zentren aufeinander
abgestimmt,
- soweit dies im gegebenen Rahmen möglich und wünschenswert war.
- Als Erhebungsphase des Projektes wurde das Jahr 2000 festgelegt. Alle in diesem
Zeitraum in
- den sechs beteiligten umweltmedizinischen Ambulanzen erstmals untersuchten
Patienten
- sollten im Falle ihrer Teilnahmeeinwilligung in die Studie einbezogen werden.
Personen im
- Lebensalter von unter 18 Jahren waren dabei ausgeschlossen. Für 234 der rund 300
Umwelt-ambulanzpatienten
- des Jahrgangs 2000 lagen alle Fragebögen (Umweltmedizinischer
- Fragebogen, UmedFB; Gesundheitsfragebogen, GesFB; ärztlicher
Basisdokumentationsbogen,
- BDB) ausgefüllt vor. Sie bildeten die sog. Kernstichprobe.
- Das Untersuchungskonzept bestand darin, durch differentialdiagnostische
Abklärung und unter
- Heranziehung der MCS-Fallkriterien nach Cullen die Patienten mit einer
schadstoffbedingten
- MCS-Erkrankung herauszufinden. Diese Eingrenzung der MCS-Fälle erfolgte nach
einem
- diagnostischen Stufenschema, das in drei Stufen bzw. Ebenen gegliedert war. Auf
der Ebene 0
-
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- (Studieneingangsebene) wurde die Selbsteinstufung der Patienten zugrunde gelegt
und die
- Gruppe der Patienten mit selbstberichteter MCS (sMCS) den übrigen
Umweltambulanz-patienten
- (Nicht-sMCS) gegenübergestellt. Diese Einteilung aufgrund der
MCS-Selbstattribution
- sollte sicherstellen, dass diejenigen Personen, die sich als MCS-Erkrankte
verstanden, mit
- ihrem subjektiven Krankheitskonzept genügend gewürdigt wurden. Im nächsten
Schritt kam
- ärztlicherseits ein relativ weit gefasster MCS-Kriterienkatalog zur Anwendung,
mit dem die
- Patienten auf einer postanamnestischen, aber noch prädiagnostischen
Untersuchungsebene
- (Ebene 1) in die MCS1-Gruppe oder die Nicht-MCS1-Gruppe eingeordnet wurden.
Schließlich
- erfolgte nach abgeschlossener Diagnostik, zum Ende der bei jedem Patienten im
regionalen
- Zentrum obligatorischen Fallkonferenz, eine abschließende Bewertung und der
Versuch einer
- diagnostischen Einstufung (Ebene 2) in die MCS2- oder die Nicht-MCS2-Gruppe. Der
Begriff
- "diagnostisch" wird hier erkennbar im weiteren Sinne verwendet, da
bisher nicht klar ist, ob es
- sich bei MCS um eine klinische Entität handelt.
-
- Studiendesign
-
- Der Studie liegt primär ein Querschnittsdesign zugrunde. Die Teilung der
Studienpopulation in
- MCS-Patienten und Nicht-MCS-Patienten und deren Vergleich in Bezug auf diverse
- Expositions- bzw. Risikofaktoren kann als Schichtung im Rahmen des
Querschnittsdesigns
- betrachtet werden. Da die Aufteilung der Ambulanzpatienten in eine MCS-Gruppe und
eine
- Nicht-MCS-Gruppe zugleich einer Fall-Kontroll-Situation mit ambulanzbasierten
Fällen und
- Kontrollen entspricht und die daran anknüpfende Auswertung gleichfalls wie in
einer Fall-Kontroll-
- Studie geschieht, kann das betreffende Studiensegment auch als
Fall-Kontroll-Ansatz
- aufgefasst werden.
-
- Erhebungsinstrumente
-
- Im ersten Jahr des Projektes wurde ein einheitliches Erhebungsinstrumentarium
entwickelt.
- Der 46-seitige Fragebogen für Patientinnen und Patienten der Umweltmedizinischen
Ambulanz
- (kurz: Umweltmedizinischer Fragebogen, UmedFB) war von jedem
Umweltambulanzpatienten
- bzw. jedem Studienteilnehmer selbst auszufüllen. Der UmedFB enthält
Fragenkomplexe zu den
- gesundheitlichen Beschwerden, den vermuteten Umweltbelastungen und
Lebensverhältnissen.
- Der 34-seitige Fragebogen zur Gesundheit für umweltmedizinische Patientinnen und
Patienten
- (kurz: Gesundheitsfragebogen, GesFB) war ebenfalls von jedem
Umweltambulanzpatienten
- bzw. jedem Studienteilnehmer selbst auszufüllen. Der Gesundheitsfragebogen
besteht aus
- 15 eigenständigen Instrumenten zur Erfassung verschiedener Dimensionen der
psychosozialen
- und körperlichen Gesundheit (einschließlich eines MCS-Fragebogens zu
beschwerde-auslösenden
- Stoffen und den assoziierten Beschwerden).
-
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- Der 27-seitige ärztliche Basisdokumentationsbogen (BDB) wurde vom zuständigen
Ambulanz-arzt
- zu jedem Ambulanzpatienten bzw. jedem Studienteilnehmer unter Würdigung aller
- verfügbaren Informationen und Befunde, einschließlich der Ergebnisse der
abschließenden
- Fallkonferenz, ausgefüllt. Er enthält u.a. die "MCS-Einstufungen" der
Ebenen 0, 1 und 2. Die
- Befundbeurteilung und die diagnostische Abklärung lagen im fachlichen Ermessen
der im
- regionalen Zentrum zuständigen Ärzte, wobei allerdings Konsensentscheidungen im
Rahmen
- regionaler Fallkonferenzen herbeizuführen waren.
-
- Klinische Diagnostik
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- Individualdiagnostik
-
- Aufgrund der sehr unterschiedlichen Gesundheitsbeschwerden der einzelnen
Patienten war die
- oft aufwändige klinisch-diagnostische Abklärung, ggf. unter Einbeziehung von
Vorbefunden,
- strikt individuell auszurichten. Diagnostische Screeningprogramme hätten die
gezielte
- Individualdiagnostik nicht ersetzen können und sie wären überdies im Rahmen
der Studie nicht
- zu finanzieren gewesen. Die zur diagnostischen Abklärung durchgeführten
somatisch-medizinischen
- Untersuchungen variierten somit nach Art und Umfang von Patient zu Patient.
- Ein "Standardprogramm", wie es bei den psychometrischen Untersuchungen
verwendet werden
- konnte, kam aus den genannten Gründen auf dem Gebiet der klinisch-medizinischen
Diagnostik
- nicht in Betracht.
-
- Die zahlreichen somatischen Befunde wurden aufgrund ihrer Diversität nicht
einzeln statistisch
- ausgewertet, sie lieferten aber die Basis für die klinische Beurteilung, deren
Ergebnisse im
- Basisdokumentationsbogen festgehalten worden sind und die so auf einer höheren
- diagnostischen Ebene für die Auswertung zur Verfügung standen. Während also
auf dem
- Gebiet der Psychometrie die einheitlich mit bestimmten Instrumenten bei allen
Patienten
- erhobenen Daten dargestellt werden konnten (und dies unweigerlich einen gewissen
Raum
- beanspruchte), lag es in der Natur der Sache, dass die klinische Befunderhebung
aufgrund der
- geschilderten Komplexität und interindividuellen Heterogentität nur auf einer
individuell
- aggregierten, nämlich der diagnostischen Ebene in die statistische Auswertung
eingehen konnte.
- Dadurch entsteht möglicherweise der unzutreffebde eindruck eines
Ungleichgewichtes zwischen
- dem Umfang der psychometrischen
Untersuchungen und Psychodiagnostik einerseits und der
- somatologischen diagnistik andererseits. während in Wirklichkeit die
somatisch-medizinischen
- Untersuchungen deutlich überwogen (Anamneseerhebung, körperliche Untersuchung,
- labormedizinische Untersuchungen, Allergiediagnostik, apparative Diagnostik,
- individuelle diagnostische Beurteilung, Fallkonferenz und abschließende
Einschätzung).
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- Composite International Diagnostic Interview (CIDI)
-
- Zur operationalisierten Erfassung psychischer Störungen wurde das CIDI
verwendet. Dieses
- computergestützte psychiatrische Interview- und Diagnosesystem eignet sich für
die
- Anwendung in epidemiologischen Studien.
-
- Erlanger Teilprojekt mit Untersuchungen des olfaktorischen Systems
-
- Das geplante Projekt konzentrierte sich darauf, Methoden zu erproben und zu
etablieren, die es
- ermöglichen, die "Neurogene-Entzündungs-Hypothese" sowie die
"Zentrale-Informations-verarbeitungs-
- Hypothese" zu überprüfen. Die Pilotstudie sollte zugleich erste
Untersuchungs-ergebnisse
- für eine Teilstichprobe von Patienten mit MCS-Verdacht (Ebene 1) im Vergleich zu
- einer Kontrollgruppe gesunder Probanden liefern.
- Folgende Untersuchungsmethoden kamen dabei zum Einsatz: subjektive Riechtestung
mit
- Sniffin Sticks; Bestimmung der Nasengeometrie mit Hilfe der akustischen
Rhinometrie vor und
- nach Provokation mit 2-Propanol bzw. feuchter Raumluft; EEG-Ableitungen mit
olfaktrisch
- evozierten Potentialen (OEP); Registrierung der Hintergrundaktivität im EEG;
Registrierung der
- Aufmerksamkeit der Patienten bzw. der gesunden Kontroll-Probanden während der
EEG-Ableitung
- anhand einer "Tracking Performance"; Einsatz psychophysiologischer
Fragebögen
- mit visuellen Analogskalen. Randomisiert wurden der Tag der Provokation (Tag 1
oder Tag 2)
- und die stimulierte Nasenseite (rechts oder links). Bei jedem Patienten oder auch
bei dessen
- Kontroll-Probanden wurde immer nur eine Nasenseite für die Stimulation
verwendet. Die
- Untersuchung erfolgte doppelblind, d.h. weder der Patient bzw. Kontroll-Proband
noch der
- Untersucher wussten, an welchem der beiden Untersuchungstage die Provokation mit
- 2-Propanol stattgefunden hat.
-
- Stichprobe und Zielgesamtheit
-
- Die Studienpopulation (Stichprobe) sollte möglichst repräsentativ sein für die
in umwelt-medizinischen
- Ambulanzen zur Untersuchung kommenden Patienten (Zielpopulation). Es
- handelte sich vorwiegend um eine so genannte Selbstrekrutierung der Probanden und
damit
- um eine anfallende Stichprobe. Von Interesse für die eigentliche Ambulanzstudie
waren nicht
- die bereits im Vorfeld auf einer reinen Beratungsebene meist telefonisch
betreuten Personen,
- sondern die in der Ambulanz zur Untersuchung erschienenen
"umweltmedizinischen Patienten".
- Die relativ geringe Patientenzahl in einzelnen Zentren ist nicht auf niedrige
Inanspruchnahme-raten
- und nicht auf ungenügende Beteiligungsquoten, sondern auf Kapazitätsprobleme
der
- jeweiligen Einrichtungen (z. B. durch unerwartete Personalausfälle)
zurückzuführen. Patienten,
- die aus Kapazitätsgründen nicht an den beteiligten Zentren betreut werden
konnten, wurden an
-
- 22
- andere umweltmedizinische Einrichtungen außerhalb des Forschungsverbundes
verwiesen.
- Eine strikte Zufallsauswahl wurde nicht vorgenommen, da auch im normalen
Ambulanzbetrieb,
- der mit dem Studienansatz abgebildet werden sollte, ein Ermessensspielraum, z. B.
nach
- Dringlichkeit der umweltmedizinischen Problematik, gegeben sein muss. Eine
gewisse
- Überrepräsentation von Patienten mit selbstberichteter MCS (sMCS) hat sich im
Münchner
- Zentrum ergeben, da dort bevorzugt Patienten mit sMCS in die Studie aufgenommen
worden
- sind. In Bezug auf die Gesamtstichprobe ist diese Verschiebung im sMCS-Anteil
jedoch nicht
- sehr wesentlich. Sie beeinflusst u. U. geringfügig die Querschnittsauswertungen,
während der
- Fall-Kontroll-Vergleich durch solche Verzerrungen kaum berührt wird.
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- Datenverarbeitung
-
- Die Daten wurden in mehreren Access-Datenbanken am Robert Koch-Institut in
anonymisierter
- Form gespeichert. Außerdem erfolgte im Studienzentrum eine Datenprüfung und
aufbereitung.
- Die statistische Datenanalyse wurde überwiegend mit dem Statistikprogramm SPSS
10 für
- Windows durchgeführt.
-
- Ergebnisse
- Soziodemographische Merkmale
-
- Es konnten 234 (80%) der im Jahr 2000 an den sechs beteiligten Zentren
untersuchten rund
- 300 Patienten in die Studie einbezogen werden. 93 (40%) der 234
Umweltambulanzpatienten
- bezeichneten sich bei Studienaufnahme als MCS-erkrankt (sMCS), 141 Patienten
(60%)
- brachten ihre umweltbezogenen Beschwerden nicht primär mit MCS in Verbindung,
wurden
- also der Nicht-sMCS-Gruppe zugerechnet. Frauen waren in der Stichprobe mit einem
Anteil von
- ca. 70% häufiger vertreten als männliche Patienten. Im Vergleich zur
Allgemeinbevölkerung
- (Bundes-Gesundheitssurvey 1998, kurz: BGS 98) waren bei den Frauen die
Altersgruppen
- zwischen 31-70 Jahren deutlich überrepräsentiert. Signifikante Unterschiede im
Vergleich zum
- BGS 98 fanden sich auch in den Angaben zum höchsten Schulabschluss (Überwiegen
höherer
- Schulabschlüsse, wobei es sich allerdings um einen Zentrumseffekt handelt, der
auf regionalen
- bildungsstrukturellen Besonderheiten beruhen dürfte), sowie den Angaben zur
Berufstätigkeit
- (weniger Berufstätige) und zum Familienstand (mehr Ledige).
-
- Gesundheitliche Beschwerden und Exposition gegenüber verschiedenen
- Stoffen aus der Umwelt
- Im Vordergrund der von den Patienten im UmedFB angegebenen Gesundheitsbeschwerden
- standen unspezifische Allgemeinsymptome, gefolgt von Beschwerden des Bewegungs-
-
- 23
- apparates und Magen-Darm-Beschwerden. Die Schmerzabfrage (Zeitfenster: 7 Tage/12
- Monate) ergab besonders bei Kopfschmerzen, aber auch bei allen anderen
Schmerz-lokalisationen
- in der Studienstichprobe sehr viel häufigere Nennungen als im BGS 98. Auch bei
- den Lebenszeitprävalenzen vieler Erkrankungen, u.a. Allergien, Magen-Darm-,
Atem-wegserkrankungen
- und psychische Erkrankungen, machten die Studienteilnehmer signifikant
- häufigere Angaben, während andere Erkrankungen, z.B. Krebserkrankungen,
Schlaganfälle,
- Zuckerkrankheit und Bluthochdruck nicht häufiger als im BGS 98 genannt wurden.
Im Vergleich
- zur Allgemeinbevölkerung (BGS 98) hatten die Umweltambulanzpatienten einen sehr
viel
- höheren Score auf der Beschwerden-Liste (B-L) nach v. Zerssen und sie
beurteilten auf allen
- acht Dimensionen des SF-36 ihre Lebensqualität deutlich niedriger.
-
- Im internen Vergleich zwischen sMCS- und Nicht-sMCS-Patienten gab es folgende
wesentliche
- Unterschiede: sMCS-Patienten gaben bei den Fragen nach ihren Beschwerden
signifikant
- häufiger eine Geruchsempfindlichkeit, Geschmacksstörungen, Ohrgeräusche und
ab-nehmendes
- Leistungsvermögen bzw. chronische Müdigkeit über 6 Monate an. Sie bejahten
- häufiger eine besondere Infektanfälligkeit, Textilunverträglichkeiten und eine
generelle
- Unverträglichkeit gegenüber chemischen Stoffen. Die sMCS-Patienten fühlten
sich signifikant
- häufiger durch eine Vielzahl von Gerüchen im Haushalt, insbesondere von
Emissionen durch
- Baumaterialien, Wandbeläge, Anstriche und Möbel belästigt und sahen sich nach
ärztlicher
- Aufzeichnung signifikant häufiger durch Dentalmaterialien, allgemeine
Umweltchemikalien und
- Bedarfsgegenstände sowie im Wohnumfeld und am früheren und jetzigen
Arbeitsplatz belastet.
- Außerdem gaben sie signifikant häufiger an, sich zum Schutz vor
Umwelteinflüssen bevorzugt
- in der Wohnung aufzuhalten. Zur Frage nach dem Kausalitätsbezug ihrer
Beschwerden
- nannten sMCS-Patienten signifikant häufiger Schadstoffe, elektromagnetische
Felder,
- Nahrungsmittel, Pilzerkrankungen des Darmes und Passivrauchbelastung als
wahrscheinliche
- Ursachen.
- sMCS-Patienten und Nicht-sMCS- Patienten lehnten psychosoziale Ursachen der
Beschwerden
- (u.a. finanzielle Sorgen, Vereinsamung, Beziehungsprobleme, familiäre
Belastungen,
- Nachbarschaftsprobleme) etwa gleichermaßen ab.
- sMCS-Patienten setzten nach eigenen Angaben signifikant weniger
Haushaltschemikalien-produkte
- ein, wie z.B. Toilettensteine, Universalreiniger, Weichspüler und allgemein
chemische
- Schädlingsbekämpfungsmittel, hatten viel seltener Amalgamfüllungen, aber viel
häufiger
- sonstige Implantatmaterialien im Zahnbereich und wiesen signifikant mehr
umweltmedizinische
- Voruntersuchungen (Biomonitoring, "Entgiftungsenzymuntersuchungen" und
funktionelle
- Bildgebung des Gehirns) in der Anamnese auf.
-
- 24
- Befragt nach den Informationsquellen zu umweltbezogenen Gesundheitsproblemen
standen in
- der Gesamtstichprobe Ärzte, Zeitungen/Zeitschriften und Rundfunk/Fernsehen im
Vordergrund.
- Die sMCS-Patienten bezogen außerdem signifikant mehr Informationen von
Selbsthilfegruppen
- und Büchern als Nicht-sMCS-Patienten.
-
- MCS-Fragebogen
- Die sMCS-Patienten gaben bei allen 28 im MCS-Fragebogen (Teil 1) aufgelisteten
sog. "MCS-Stoffen"
- signifikant häufiger starke bis sehr starke Beschwerden im Vergleich zu
Nicht-sMCS-Patienten
- an. Von fünf aufgeführten Allergenen lösten Schimmelpilze und Nüsse bei
sMCS-Patienten
- häufiger starke/sehr starke Beschwerden aus als bei Nicht-sMCS-Patienten. Von
den
- für diese Studie neu aufgenommenen fünf Stoffen riefen bei sMCS-Patienten
natürliche
- Parfumstoffe und unbekannte Stoffe häufiger subjektiv empfundene starke/sehr
starke
- Beschwerden hervor. Im Vergleich der Ergebnisse von Allergikerinnen und
MCS-Patientinnen
- einer anderen Studie mit denen der weiblichen sMCS-Patienten unserer Erhebung
- bezeichneten beide MCS-Patientinnen-Gruppen alle "MCS-Stoffe" häufiger
als stark/sehr stark
- Beschwerden auslösend als die Allergikerinnen. Bei den Allergenen, die bei den
Allergikerinnen
- selbst überwiegend keine Beschwerden auslösten, gaben sMCS-Patientinnen
häufiger als die
- Allergikerinnen an, dass der Kontakt mit ihnen mit starken/sehr starken
Beschwerden
- verbunden ist. Gegenüber den 11 abgefragten Beschwerdebereichen im
MCS-Fragebogen, Teil
- 2 beurteilten die sMCS-Patienten den ursächlichen Zusammenhang zwischen
Umweltstoffen
- und eigenen Beschwerden als
wahrscheinlicher als Nicht-sMCS-Patienten. Die Unterschiede
- sind hochsignifikant.
-
- Erlanger Teilprojekt mit Untersuchungen des olfaktorischen Systems
-
- Da MCS-Patienten häufig über eine erhöhte Geruchssensibilität berichten,
wurden im Rahmen
- der multizentrischen Studie 19 Patienten mit MCS-Verdacht (Ebene 1) und einer von
den
- Patienten selbst angegebenen Riechstörung sowie 19 entsprechende
Kontroll-Probanden
- olfaktometrisch untersucht. Neben der Standarduntersuchung des Riechsinnes
(Sniffin Sticks)
- wurden mit Blick auf die Fragestellung einer "zentral-sensorischen
Informationsverarbeitungs-störung"
- EEG-Ableitungen mit olfaktorisch evozierten Potentialen inklusive einer P300-
- Komponente vorgenommen. Außerdem wurden bei diesen Patienten und bei 19
ent-sprechenden
- Kontroll-Probanden Untersuchungen von Reaktionen der Nasenschleimhaut und
- des sensorischen Apparates nach niedrigdosierter chemischer Stimulation
durchgeführt.
- In der vorliegenden Studie konnte, so wie in früheren Untersuchungen auch, keine
erhöhte
- Riechleistung bei der Patientengruppe gefunden werden. Es ist jedoch anzumerken,
dass die
- Untersuchungszeit bei der MCS-Gruppe, bedingt durch Einfügen von Pausen,
deutlich länger
-
- 25
- angesetzt werden musste und dass eine Testung ohne Pausen bei einigen Patienten
sicherlich
- geringere Werte (Scores) geliefert hätte. Dass die häufige Stimulation mit
olfaktorischen
- Substanzen ein besonderes Problem für die MCS-Patienten darstellt, zeigte sich
nicht nur
- während der Testung mit den Sniffin Sticks, sondern auch bei der Bewertung
der trigeminalen
- Eigenschaften nach häufiger Stimulation mit PEA (Phenylethylalkohol-Rosenduft)
als
- Standardreiz (Qualität "Brennen" oder "Stechen"). Im
Gegensatz dazu wurden für H2S
- (Schwefelwasserstoff) als seltenem und unangenehmem Targetreiz derartige
Unterschiede
- zwischen den Gruppen nicht beobachtet.
- Im Hinblick auf die Provokation mit 2-Propanol (Verum) wurde bei den Patienten
eine
- unerwartet verbesserte Nasenatmung auf der nichtstimulierten Nasenseite in der
subjektiven
- Schätzung sowie ansatzweise nach akustischer Rhinometrie sichtbar. Dieser Befund
verdient
- zumindest eine gewisse Beachtung bei künftigen Untersuchungen, da eine
veränderte
- Interaktion auf neuronaler Ebene zwischen den beiden Nasenseiten nicht
auszuschließen ist.
- der deutliche 2-Propanoleffekt im
Hintergrund-EEG zeigte auch, dass die Datenerhebung in der
- aktuellen Studie signifikante Unterschiede aufzeigen konnte und dass
pharmakologische oder
- sensorische Effekte bei einer
Provokationstestung selbst im Schwellenbereich eine Rolle spielen
- können,
- Die Ergebnisse der durchgeführten Untersuchungen lassen erkennen, dass die
Ableitung von
- evozierten Potentialen nach der "Odd ball"-Reizfolge zur Gewinnung von
olfaktorischem P300
- in der Routineuntersuchung von MCS-Patienten in der durchgeführten Art und Weise
weniger
- geeignet erscheint. Dies begründet sich zum einen in der Belastung der Patienten
mit
- Riechstoffen über zwei Messtage hinweg, die zu einer gewissen Vorselektierung
der
- Patientengruppe führen kann. Zum anderen erwiesen sich diese späten Potentiale
als
- besonders störanfällig gegenüber Artefakten durch Augenbewegungen, die bei
ungeübten
- Personen (Patienten und Kontroll-Probanden) nicht immer vermeidbar sind. Aber
auch
- Muskelanspannungen, die besonders bei der Patientengruppe auftraten, können das
EEG mit
- Artefakten überlagern. Deshalb sollte bereits zu Beginn künftiger Studien eine
größere Anzahl
- von Patienten und Kontroll-Probanden für P300-Ableitungen eingeplant werden, um
zumindest
- diesen artefaktbedingten Verlust möglichst ausgleichen zu können. Erst nach
Feststellung
- signifikanter Gruppenunterschiede wäre ein verkürztes Protokoll für eine
gezielte Routine-untersuchung
- denkbar.
- Der subjektive Leidensdruck der Patienten mit MCS-Symptomatik zeigte sich in den
Erlanger
- Untersuchungen durchweg in höheren Einschätzungen der Müdigkeit im Vergleich
zur
- Kontrollgruppe. Wie die Erfassung der "Tracking Performance" nach
milder Provokation mit 2-
- Propanol zeigte, könnte es möglich sien, dass die Vigilanz und evt. auch die
motorische
-
- 26
- Koordinationsfähigkeit bei diesen
PAtienten im täglichen Leben beeinträchtigt sind. Aufgrund
- noch vielser offener Fragen besteht weiterer Forschungsbedarf.
-
- Psychometrische Untersuchungen
-
- Die sMCS-Patienten unterscheiden sich auf den BSKE 21-Dimensionen aktuelles
Positives
- Befinden und aktuelles Negatives Befinden sowie auf den zugeordneten Subskalen
nicht von
- den übrigen Ambulanzpatienten. Das Körperliche Unwohlsein war bei
sMCS-Patienten dagegen
- stärker ausgeprägt als bei Nicht-sMCS-Patienten. Bei den auf den Körper
bezogenen
- Dimensionen des SF-36 (Körperliche Funktionsfähigkeit, Körperliche
Rollenfunktion und
-
- Körperliche Schmerzen) sowie den Dimensionen Allgemeine Gesundheitswahrnehmung
und
-
- Soziale Funktionsfähigkeit beurteilten sMCS-Patienten ihre Lebensqualität
signifikant niedriger
- als Nicht-sMCS-Patienten. Auf den Skalen Somatisierung und Ängstlichkeit der
SCL-90-R
- zeigten sMCS-Patienten signifikant stärkere Ausprägungen als
Nicht-sMCS-Patienten. In der
- Tendenz traten diese Unterschiede auf sechs der sieben weiteren Skalen auf, mit
Ausnahme
-
- Paranoides Denken, so dass sich beide Patientengruppen auch hinsichtlich der
globalen
- Kennwerte GSI und PSDI signifikant unterschieden. Verglichen mit der
Standardisierungs-stichprobe
- für die deutsche Version des SCL-90-R sowie im Vergleich zu einem Kollektiv
- "normal Gesunder" der englischen Version haben die Studienpatienten
höhere Skalenwerte,
- besonders deutlich fällt der Unterschied auf den Skalen Somatisierung,
Zwanghaftigkeit und
-
- Depressivität aus. Hingegen haben die Studienpatienten im Vergleich zu
allgemein-psychiatrischen
- Patienten und Patientengruppen mit Persönlichkeitsstörungen, Neurosen,
- Depressionen, Angststörungen und Somatisierungsstörungen - außer teilweise im
Bereich
- spmatisierung- niedrige Skalenwerte,
so dass sich das Profil der Umweltambulanzpatienten
- (auch der sMCS-PAtienten) merklich gegenüber den Profilen psychosomatischer/
- psychiatrischer Patienten
unterscheidet.
- Die sMCS-Patienten gaben für 22 von 24 aufgeführten Beschwerden der
Beschwerden-Liste
- (B-L) nach v. Zerssen stärkere
Ausprägungsgrade an als Nicht-sMCS-Patienten. Insgesamt lag
- der B-L-Summenscore bei sMCS-PAtienten hochsignifikant über dem der
Nicht-sMCS-Patienten.
-
- Der Summenscore der sMCS-Patienten ist höher als der Summenscore der
- Eichstichprobe des Instruments und höher als in allen weiteren von v. Zerssen
berichteten
- Vergleichskollektiven (verschiedene Körperkrankheiten, funktionelle
Herzbeschwerden,
- verschiedene psychiatrische Erkrankungen, Schizophrenie, Neurosen, neurotische
und
- endogene Depression). Nur in den beiden zuletzt genannten Kollektiven fällt der
Unterschied
- nicht hochsignifikant aus. Der Summenscore der Kernstichprobe lag über dem der
- Eichstichprobe und dem des Kollektivs mit verschiedenen Körperkrankheiten und
unter den
- Summenscores von Patienten mit neurotischen und endogenen Depressionen.
-
- 27
- Zusammenhang zwischen
Umwelteinflüssen und gesundheitlichen Beschwerden
-
- Die Ambulenzärzte vermuteten, dass bei 34 % der Patienten eine frühere bzw. bei
20 % eine
- aktuelle hygienisch relevante Exposition vorlag, als toxikologisch relevant
belastet wurden. 15 %
- (früher) bzw. 6 % (aktuell) eingeschätzt. Die Einschätzungen differieren
deutlich zwischen den Zentren.
- Toxikologisch relevante Belastungen wurden bis auf wenige Prozent sämtlich in
- einem Zentrum angegeben, während die anderen Zentren bei keinem oder nur sehr
wenigen
- Patienten eine toxikologisch relevante Belastung sahen. Während sMCS-Patienten
ärztlicher-seits
- signifikant häufiger als zu einem früheren Zeitpunkt hygienisch belastet
eingestuft wurden,
- lag im Gegensatz dazu nach ärztlicher Einschätzung bei den Nicht-sMCS-Patienten
aktuell
- häufiger eine hygienisch bedeutsame Belastung vor. sMCS-Patienten wurden
signifikant
- häufiger als "sozial" und "in Alltag und Beruf" stark
beeinträchtigt eingeschätzt, während sich die
- Einschätzungen in den Kategorien "körperliche" und
"seelische" Beeinträchtigung nicht so stark von
- den Nicht-sMCS-Patienten
unterschieden. Ein Kausalzusammenhang zwischen vermuteter Umweltnoxe
- und den berichteten
Gesundheitsbeschwerden wurde ärztlicherseits bei 66b% als eher unwahrscheinlich
- einegstuft, eine umweltbedingte Erkrankkung im engeren Sinne nur bei 22 % der
Patienten bejaht,
- Diese Einschätzung fand sich fast ausschließlich in zwei Zentren, eine
Multiple Chemische Sensitivität
- im engeren Sinne (d.h. eine nicht psychosomatisch erklärbare, somatische
Überempfindlichkeit
- gegenüber verschiedenen Umweltagenzien) wurde ausschließlich in zwei Zentren
diagnostiziert.
- Dies legt die Vermutung nahe, dass das Krankheitsbild MCS und die zu seiner
Beschreibung
- festgelegten Kriterien noch nicht klar genug definiert sind, um eine
Beurteilerübereinstimmung zwischen
- den Ärzten in sechs umwelt-medizinischen Zentren bezüglich des Beschwerdebildes
MCS zu erzielen.
- Hierin liegt weiterer Forschungsbedarf begründet.
-
- Schlussfolgerungen und Ausblick
-
- Mit der ersten multizentrischen MCS-Studie in Deutschland ist die Etablierung
eines
- Forschungsverbundes gelungen, innerhalb dessen sowohl klinisch-epidemiologische,
wie
- klinisch-diagnostische (und zukünftig ggf. therapeutische) sowie pathogenetische
Aspekte der
- idiopathischen Umweltintoleranz-Phänomene (Idiopathic Environmental
Intolerances, IEI),
- speziell der Multiplen Chemikalien-Sensitivität (MCS), auf einer
wissenschaftlich tragfähigen
- Grundlage untersucht werden können. Im Rahmen des als Pilotstudie anzusehenden
- Vorhabens wurden geeignete Erhebungsinstrumente für die
klinisch-epidemiologische
- Erforshcung von MCS entwickelt udn
für das mittlerweile angelaufene Folgeviorhaben optimiert.
28
- Der bisherige Auswertungsstand bestätigt die bereits aus anderen Untersuchungen
bekannten
- Besonderheiten umweltmedizinischer Patienten, speziell jener mit
MCS-Selbstattribution: hoher
- Leidensdruck; multiple subjektive Fremdstoffunverträglichkeiten, mit
Schwergewicht auf
- Innenraumschadstoffen; breites Beschwerdenspektrum mit subjektivem
Expositionsbezug;
- überwiegend Frauen betroffen, besonders in mittleren Altersgruppen; häufiger
alleinstehend
- und nicht bzw. nicht mehr berufstätig oder mit längeren Krankschreibungen;
zahlreiche
- Voruntersuchungen. Bei einem erheblichen Anteil der Umweltambulanzpatienten
deuteten sich
- *berlappungen mit äh lichenund beim
gegenwärtigen Forschungsstand nicht eindeutig
- abgrendzbaren Beschwerdekomplexen an, so insbesondere zum chronischen
Schmerz-syndrom,
- dem chronischenErschöpfungssyndrom
und den somatoformen Störungen.
- Darüber hinaus hat sich gezeigt, dass die Umweltambulanzpatienten und hier
wiederum
- besonders die sMCS-Patienten im Hinblick auf die psychometrischen Profile zwar
oberhalb der
- Normstichproben scoren, aber noch deutlich unterhalb der bei Psychosomatik- und
Psychiatrie-
- Patienten ermittelten scores liegen (mit Ausnahme der Somatisierungsdimension, in
der
- Umweltpatienten höher scoren).
-
- Für die medizinische Beurteilung von Umweltambulanzpatienten ist es nach den
Erfahrungen
- aus der durchgeführten Studie zwingend erforderlich, neben der
allgemein-klinischen und
- umweltmedizinischen Diagnostik auch die psychosoziale Dimension
umweltassoziierter Leiden
- zu berücksichtigen. Dazu bedarf
es in vielen Fällen einer integrativmedizinischen Betreuung
- unter Beteiligung psychomedizinsicher Fachrichtungen. dies filt nachgerade für
einschlägige
- IEI- oder MCS-Forshcungsprojekte, da
sonst mit einer Unterschätzung der psycgosozialen
- Erkrankungskomponenten zu rechnen ist.
-
- Das von den meisten Patienten angegebene gesteigerte Riechvermögen konnte mit
- orientierenden Riechtests (Sniffin´ Sticks) an einer Teilstichprobe nicht oder
nur in Einzelfällen
- bestätigt werden. Des Weiteren konnte bei einer kleineren Unterstichprobe von 19
Patienten mit
- MCS-Verdacht (Ebene 1) mittels eingehender olfaktometrischer Untersuchung keine
eindeutige
- Störung der Riechleistung objektiviert werden.
- Die umweltmedizinische Einschätzung bezüglich einer früheren oder aktuellen
Schadstoff-exposition
- und deren Konsequenzen für das Krankheitsgeschehen fiel in den sechs beteiligten
- Zentren sehr unterschiedlich aus. Eine größere ätiologische Bedeutung von
Umweltchemikalien
- wurde lediglich in einem Zentrum (Bredstedt) attestiert. In den übrigen Zentren
hatte man die
- äthiopatische Relevanz von Fremdstoffen in den zu beurteilenden Fällen
zurückhaltend bis
- ablehnend eingeschätzt.
- Demzufolge gingen auch die ärztlichen Einschätzungen bezüglich "MCS"
zwischen den
- einzelnen Zentren erheblich auseinander. Es zeichnete sich ab, dass diese
beträchtlichen
-
- 29
- Differenzen nicht allein durch Unterschiede in der Zusammensetzung der
Patientenkollektive
- bedingt sind, sondern eher auf unterschiedlichen medizinischen Einschätzungen
bzw. einer
- unzureichenden Beurteilerübereinstimmung beruhen. Deshalb erscheint es
dringlich, anhand
- einer zufällig ausgewählten Patienten-Unterstichprobe aus den in der
MCS2-Einschätzung
- divergierenden Zentren eine diagnostische Nachbeurteilung (zunächst nach
Aktenlage) im
- Rahmen gemeinsamer überregionaler Fallkonferenzen vorzunehmen. Methodisch
- befriedigender als dieser Ansatz wäre allerdings eine Studie mit
Interraterdesign. Dies würde
- jedoch aufwändige Doppeluntersuchungen von Patienten in zwei Zentren und damit
eine
- gesonderte Finanzierung erfordern.
- Die klinische Ausschlussdiagnostik und die Anwendung vorbestehender MCS-Kriterien
mit dem
- Nachweis der dabei auftretenden Zentrenunterschiede in den MCS2-Anteilen sowie
die
- Aufdeckung der Hintergründe dieser Differenzen bilden nur einen
Auswertungsschwerpunkt der
- Studie. Darüber hinaus bestand ein weiteres Grundanliegen der Studie darin,
hinter die
- vorgegebenen Fallkriterien, die psychometrischen Summenscores und die
ambulanzärztlichen
- diagnostischen Einschätzungen zurückzugehen, also bei den Ursprungsdaten bzw.
auf
- Itemebene anzusetzen. Von dieser Grundlage aus sollen zum einen explorative
Datenanalysen
- vorgenommen (Suche nach Merkmalsmustern) und zum anderen hypothesengeleitete
- Auswertungen durchgeführt werden. Über diese multivariaten Datenanalysen wird,
wie im
- Forschungsverbund vereinbart, in separaten wissenschaftlichen Publikationen
berichtet.
- Für die Zukunft erscheint es unbedingt erforderlich, dass in MCS-Studien wie
auch in der
- medizinischen Praxis bei entsprechenden diagnostischen Zuordnungen stets die
konzeptionelle
- Grundlage benannt wird. Dies kann im einfachsten Falle durch die Angabe der
zugrunde
- liegenden "Modellklasse" geschehen, wie zum Beispiel:
- a) somatisches Modell
- b) psychosomatisches Modell
- Da Ja-/Nein-Entscheidungen häufig nicht ohne Zwang möglich sind, sollte eine
trichotome
- Antwortklassifikation (mit der Antwortalternative "ja/nein/unklar")
bevorzugt werden.
- In Studien sind vor einer potentiellen MCS-Einstufung unbedingt Fallkonferenzen
vorzusehen,
- in denen neben einem Umweltmediziner mindestens ein erfahrener Kliniker
(vorzugsweise
- Internist, Allergologe, Neurologe) und ein Psychosomatiker oder Psychiater
vertrenten sein
- sollten. Der bei diesen Konferenzen stattfindende Entscheidungsprozess ist in
seinen
- wesentlichen Schritten zu dokumentieren.
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