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Kommentar zum Abschlussbericht

 

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Ingrid Scherrmann

Kurzer Kommentar zu den letzten Sätzen der "Zusammenfassenden Einschätzung" der Kurzfassung. (Zitate sind kursiv gedruckt)

 

Eis et al.:  Dem Beitrag von Umweltchemikalien an der Auslösung des MCS-Syndroms kommt aber eine eher untergeordnete Rolle zu, typische Ursache-Wirkungsbeziehungen konnten nicht aufgezeigt werden.

 

Scherrmann: Ich habe den Eindruck, um genau diesen Satz als Ergebnis präsentieren zu können, wurden die Studien angelegt, wie sie angelegt wurden, denn wenn

-  nur oberflächlich nach Schadstoffen,

-  vor allem nach psychischen Krankheiten, und

-  die MCS-Kranken nicht nach ihren speziellen Erfahrungen bzgl. Ursache Wirkungsbeziehungen gefragt werden,

können folgerichtig auch keine typischen Ursache-Wirkungsbeziehungen erkannt werden.

 

Eis et al.: Beim MCS-Syndrom stehen nunmehr vor allem klinische/medizinische Fragestellungen im Vordergrund.

 

Scherrmann: Das heisst wohl, dass Fragestellungen nach Schadstoffbelastungen getrost fallengelassen werden können.

 

Eis et al.:  Die gelegentlich in der umweltmedizinischen Praxis zur Diagnostik von MCS veranlassten molekularbiologischen Untersuchungen auf Genpolymorphismen bei Enzymen des Fremdstoffmetabolismus und Parametem des Immunsystems sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht sachdienlich.

 

Scherrmann: Zu Fabigs Forschungen steht in der Vollfassung (1), die Studie hätte "methodische Mängel" (Seite 203), ohne dies auch nur mit einem Halbsatz zu begründen. So muss sich niemand mit dem Ansatz und den Erkenntnissen von Fabig auseinandersetzen.

 

Eis et al.:  Mit Nachdruck weisen wir darauf hin, dass in die Differentialdiagnostik beim MCS-Syndrom nicht nur somatische, sondern stets auch psychische Gesundheitsstörungen einzubeziehen sind, damit den Patienten eine der Diagnose adäquate medizinische Versorgung zuteil werden kann.  

 

Scherrmann: Dieser letzte Satz der Kurzfassung des Abschlussberichtes ist meiner Einschätzung nach der wichtigste und folgenschwerste des ganzen MCS-Projekts. Ich vermute, dass er in Zukunft eine entscheidende Rolle in medizinischen und nichtmedizinischen Veröffentlichungen spielen wird und somit das zukünftige Denken und Handeln, nicht nur der MedizinerInnen, Behörden, Kranken- und Rentenkassen, GutachterInnen, RichterInnen sondern auch der Medien und der Bürgerinnen und Bürger bestimmen wird.

 

Dieser Satz suggeriert, dass MCS und wohl auch andere Schadstoffinduzierte Krankheiten (SIKs) normalerweise keine organische sondern eine psychische Krankheit sind.

 

Ich vermute zudem, dass dieser Satz in Zukunft eine zentrale Rolle spielen wird,

- dass psychosomatische und  psychiatrischen Fachbereiche es nicht als erforderlich ansehen, sich fundierte Kenntnisse über die Auswirkungen von Neurotoxinen (wie Pestizide, Schwermetalle) zu erarbeiten und

- dass weiterhin Felhdiagnosen und Fehltherapien an Menschen mit MCS und auch mit SIKs den Normalfall bilden.

 

So kann alles beim alten bleiben. Es darf weiterhin verdrängt werden,

- dass Schadstoffe auch in so genannten Niedrigdosen krank machen können

- dass eine Vielzahl unserer modernen Krankheiten in Zusammenhang mit Schadstoffen stehen

- dass unsere Gene durch Schadstoffe auch in so genannten Niedrigdosen irreparabel geschädigt  werden können und

-  dass diese Genschädigungen eine Vielzahl von Geburtsschäden und Krankheiten der kommenden Generationen nach sich ziehen werden.

 

So kann auch die vorherrschende Grenzwertpolitik unangefochten weiterverfolgt werden.

 

Ich finde, dass mit diesem Papier die Weichen für den Umgang mit MCS von offizieller Seite aus für die nächsten Jahre gestellt sind, ob es uns gefällt oder nicht.

Ich finde, Kranke mit MCS und ihre ÄrztInnen können dieses Papier nicht ignorieren und müssen sich in Zukunft sehr genau überlegen, an welcher Stelle sie den Begriff "MCS" verwenden, an welcher Stelle sie auf den Begriff "MCS" verzichten und andere Begriffe (wie z. B. die Beschreibung der Symptome) verwenden, um die oben angeführte "adäquate" Behandlung zu vermeiden.

Nach meiner Einschätzung ist es unumgänglich, zukünftige Strategien sowohl von Seiten der PatientInnen als auch von Seiten ihrer ÄrztInnen sorgfältig zu überdenken.

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